Steinbruch im Weinheimer Wachenberg: heute einzigartiges Biotop

Steinbruch im Weinheimer Wachenberg: heute einzigartiges Biotop

Ein großes Loch im Berg: Hinein in den Wachenberg - Vulkan, Steinbruch, einzigartiges Biotop - geologische Führung mit Franz Piva (Geopark- und Stadtführer), Karl Anthrakopoulos (Betriebsleiter des Steinbruchs und Ludwig Meitzler (Mineraloge)
Im Oktober 2019 nahm ich an der Exkursion in die Tiefe des Wachenberges teil - wenigstens mit den Augen. Denn betreten darf man den riesigen Steinbruch nicht: zu viele Gefahren lauern. Aber was die drei Spezialisten ihrer Gruppe zu bieten hatten, ist spektakulär - auch von weitem. Führungstermine 2020 sind am 14.3., 11.7. 22.08. und 17.10. (Infos: https://www.weinheim.de/1535867.html)

1894 nahm das große Loch im Berg seinen Anfang: Firma Herpel & Wilhelm baute hier erstmals Porphyrgestein ab. Inzwischen sind die abbaubaren Gesteinsvorkommen erschöpft. Infos dazu: https://www.rnz.de/nachrichten/bergstrasse_artikel,-Bergstrasse-Weinheims-Mega-Steinbruch-ist-bald-Geschichte-_arid,216600.html

2016 war die letzte Schicht, der Steinbruch wird jetzt verfüllt. Die PWS hat ihn gepachtet von der Stadt Leutershausen, jedoch hat Weinheim die Entscheidungshoheit. Diese Kuriosität rührt von der Gebietsreform und in deren Folge einem Flächenausgleich.

Der Vulkan mit einem Aufstiegskanal mit 1 km Durchmesser, der aus Porphyr mit zersetzten Anteilen Granodiorit = Saprolith (Grus) besteht,  in die der Porphyr eingedrungen war, brach zuletzt vor 290 Millionen Jahren au, die Lava-Streuung reicht bis Dossenheim.

Die heutige Steinbruchwand ist 260m hoch mit zahlreichen breiten Etagen, auf denen sich mühelos zwei Kipper begegnen konnten.

Beton ist das aktuelle Haupt-Standbein der PWS, ferner Schotter - aus dem Aushub wurde am Hockenheimring und im Gleisbett der OEG verarbeitet. Verschiedene Körnungen werden nur gehandelt, nicht hier erzeugt: Privatleute oder Gartenbaufirmen brauchen meist zu kleine Mengen um sie vior Ort zu erzeugen. Auch Lieferung an Baumärkte wäre zu teuer. Eigenprodukt ist die 08er Körnung für wassergebundenen Wegebau, für die es eine größere Abnahme gibt.

Von der Zufahrt auf dem Betriebsgelände führt ein Stollen nach Süden duch die Steinbruchwand in den Trichter.

Im Jahr 2003 ereignete sich eine massive Großrutschung: ein ganzes Stück der südwestlichen Steinbruchwand stürzte in den Kessel und hinterließ eine 140 m breite Schneise. Die Farben des Gesteins zeigen die Richtung der Klüftung, je nach der Verformung während des Ausbruchs. Schräg von links unten nach rechts oben oder umgekehrt, an manchen Stellen auch in Meilerform zeigen sich Risse und Klüfte mit unterschiedlichem Gestein. Hellerscheint relativ frisch gebrochenes, dunkelrot oder gelbgrün ältere, bereits verwitterte Flächen. In den gibt es Klüften Eisen, Ocker und Rhyolith mit Dendriten.

2019 wurden von PWS über 10.000 Euro für Umweltschutzmaßnahmen in Weinheim und Leutershausen investiert. Der Steinbruch, der momentan verfüllt wird, stellt ein einzigartiges Biotop dar, mit Fledermäusen und Uhu sowie  Gelbbauchunke und Molche, die den eigens mit Folie nach unten abgedichteten Teich bevölkern.
An der nahegelegenen Weschnitz leben 42 Arten Brutvögel, die hin und wieder einen Abstecher in die Wände des Steinbruches unternehmen, wo sich inzwischen ein reiches Angebot an Nahrungspflanzen angesiedelt hat.

Marieta Hiller, Herbst 2019