Lauresham - Wie es bei uns vor 1200 Jahren gewesen sein könnte...

Ein karolingisches Mittelalterdorf mit Schmiede, Gänsehaus, Weingarten und Kelter, Getreidemühle, Kochhaus und Herrenhaus ist in Lauresham entstanden.

Auf dem Welterbe Areal Kloster Lorsch baut und forscht man „wie es vor 1200 Jahren gewesen sein könnte“. So weiß z.B. niemand mehr ganz genau, wie man damals das Fachwerk der Häuser mit Lehm ausstrich. Die Lorscher mußten sich dafür Hilfe von lettischen Lehmbaumeistern holen.

Dargestellt ist in Lauresham eine Handwerkersiedlung im Herrenhof. Solche Ansiedlungen waren vermutlich der Kern für die Marktorte des 10. Jahrhunderts. Im Unterschied zu Fronhöfen sind bei Herrenhöfen Manufakturen angeschlossen: Schmiede, Weberei, Kelterei.

Den Weingarten bewachen die Gänse, sie mögen weder Trauben noch Weinblätter, vertreiben aber wirkungsvoll deren Räuber. Die alten Sorten im Weingarten stammen aus Geisenheim, wo historische Reben bis zu den alten Römern rekultiviert und entschlüsselt werden.

Ebenfalls bis heute noch nicht experimentalarchäologisch herstellbar ist Birkenpech, der stärkste und bereits in der Steinzeit gebräuchliche Klebstoff.

Im Kochhaus von Lauresham kann man übrigens auch übernachten, Kindergeburtstage feiern und ein karolingisches Mahl zubereiten und einnehmen. Eine Jahreskarte für die Thementage kostet 35 Euro, sämtliche Termine sind unter www.welterbe-areal-kloster-lorsch.de zu finden. Infos: 06251-103820.

Marieta Hiller, im April 2015

Wölbäcker: im Freilichtlabor Lauresham altes Wissen neu entdecken

Ein neues Forschungsprojekt zwischen der Universität Halle-Wittenberg und dem UNESCO Welterbe Kloster Lorsch untersucht die historische Flurform des Mittelalters, die sogenannten „Wölbäcker“. Sie waren im Mittelalter weiträumig verbreitet. Diese Flurform mit den charakteristischen Wölbungen entstand wohl vor allem durch das Zusammenpflügen der Schollen auf dem Acker mit einem Beetpflug. Noch  heute sind mittelalterliche Wölbäcker zumeist unter aufgeforstetem Wald des 18. und 19. Jahrhunderts nachweisbar. Die bis zu 12-15 Meter breiten, bis zu 1 Meter hohen und mitunter über 1000 Meter langen Flurrelikte lassen sich mit Airborne Laserscanning gut erfassen und zeichnen sich als parallel verlaufende Strukturen im Gelände ab. Entstehung, Bewirtschaftung, Nutzen und Nutzung oder gar die Besitzverhältnisse der breiten und langgestreckten Äcker sind trotz verschiedener Studien noch nicht geklärt.
In kooperativer Zusammenarbeit wird das Freilichtlabor Lauresham und die Bodenbiogeochemie am Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften an der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg (MLU) zur Klärung einiger Fragen ein großangelegtes Wölbackerexperiment durchführen: im Freilichtlabor Lauresham werden über mehrere Jahre unter Verwendung der landwirtschaftlichen Arbeitstechniken des Mittelalters mehrere Wölbäcker bewirtschaftet, gedüngte und nicht gedüngte Böden sollen mittels modernster bodenkundlicher Analysemethoden in den Laboren der Bodenbiogeochemie der MLU im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts begleitend untersucht werden, um ein tiefgreifendes Verständnis über die Vorteile der Wölbäckerkultur zu erlangen. Außerdem soll das Ertragspotential der Wölbäcker mit Blick auf unterschiedliche im Mittelalter genutzte Feld-früchte bewertet werden und begleitende Analysen zur Bodentemperatur und -feuchte unternommen werden. Schließlich erhoffen sich die Kooperationspart-ner auch, daß die im Rahmen des Forschungsprojekts gewonnen Erkenntnisse für die moderne, nachhaltige Landwirtschaft von Bedeutung sein könnten.

(Claus Kropp M.A.) Infos: www.kloster-lorsch.de c.kropp@kloster-lorsch.de

 

 

Sauwohl fühlen sich diese netten Tiere in Lauresham. Markant für Wiedererkennung: Wildschweine verströmen einen leichten Geruch nach Maggi. Wer diesen Geruch im Wald riecht sollte schnell weitergehen. Tipps für das Verhalten bei der Begegnung mit Wildschweinen im Wald findet ihr bei Sacki Survival! Einfach ins Foto klicken!

Auerrindprojekt in Lauresham wächst

Seit 2013 bemüht sich das Freilichtlabor Lauresham des UNESCO Welterbe Kloster Lorsch mit dem so-genannten Auerrindprojekt um die Rückzüchtung des im 17. Jahrhundert ausgestorbenen Auerochsen und damit zugleich um aktiven Naturschutz.

Bisher konnten mehrere Zuchtgruppen in Hessen und eine weitere in Nordrhein-Westfalen aufgebaut werden. Projektleiter und Leiter des Freilichtlabors Lauresham Claus Kropp konnte nun berichten, daß mit dem Wildpark Schwarzach (im „kleinen“ Odenwald) ein weiterer Projektpartner für die aktive Zuchtarbeit gewonnen werden konnte. „Es freut uns ungemein, daß wir nun auch in Baden-Württemberg und somit in drei Bundesländern mit dem Projekt vertreten sind“, so Kropp.

Bereits im Herbst 2017 sollen zwei Maremmanakühe und ein Sayaguesabulle des Auerrindprojektes nach Schwarzach gebracht werden, um dort auf einem etwa fünf Hektar großen Gelände für Nachzucht zu sorgen. Das Areal teilen sich die imposanten Laub- und Grasfresser mit Rothirschen. (lo) 

Selbst handwerkeln wie zur Zeit der Karolinger

Zeitreise ins Mittelalter: Herbstferienprogramm im Kloster Lorsch

Das Kloster Lorsch lädt in den Herbstferien 2017 Kinder und Jugendliche wieder zu einem besonderen Erlebnis ein: eine Zeitreise in die Kinder-Welt des Mittelalters III.
Wie hättet ihr gelebt, wärt ihr vor 1200 geboren? Helfen auf dem Hof beim Ernten und Tiereversorgen oder bei handwerklichen Arbeiten, Spielen, Geschicklichkeit beim Bogenschießen unter Beweis stellen... Hausbau in der Karolingerzeit - Techniken und Hausmodell aus Naturmaterialien erstellen
Gürtelgehänge fertigen: wer im Mittelalter das Haus verließ, hatte seine Sachen nicht im Rucksack, sondern in verschiedene kunstvoll gefertigten Beuteln, die am Gürtel hingen - einer Geldkatze für Münzen und einem Beutelchen für Krimskrams.
Schnitzen mit Holunder: Flöten, Perlen und Zauberstäbe
Tiere aus Heu und Stroh: die Laureshamer Tierwelt aus Heu und Stroh nachgebastelt
Geschichtenspinnerei: es denken sich alle zusammen eine phantastische, aufregende, verrückte Geschichte aus und es wird auch gewebt, z.B. in der alten Webtechnik Spang oder beim Bänderweben auf einem selbstgebauten Mini-Webstuhl aus Holz
Höhepunkt ist die Lesenacht mit dem Mitratekrimi „Das Zeichen des fremden Ritters“ von Christa Holtei.

Dieses Angebot ist 2017 sicherlich sehr gut angenommen worden und sollte unbedingt 2018 wiederholt werden! Fragt einfach unter buchung@kloster-lorsch.de. Infos: www.kloster-lorsch.de

Marieta Hiller, im Oktober 2017

Ein fröhlicher Hahn in Lauresham
Ebenfalls wachsam: die Gänse in Lauresham
Köcher, in Lauresham nach alter Handwerkskunst angefertigt
Amboß in der Schmiede von Lauresham
Herdenschutzhunde: sie sind autark und wehrhaft. Sie passen auf Schafe, Gänse und Hühner auf und schützen sie vor Wölfen, Luchsen, Füchsen, streunenden Hunden oder auch menschlichen Dieben. Deshalb bei einer Begegnung: ruhig bleiben, nicht provozieren oder stören. Ignorieren und ruhig weitergehen. Der Schutzhund muß merken, daß seiner Herde keine Gefahr droht, dann verhält er sich auch ruhig. Infos zu Schäfern und Wölfen: bitte ins Foto klicken!