Jahrhunderte der Steinbearbeitung

Das Felsenmeer ist ein vielschichtiger Ort: kommen Sie mit mir auf eine Zeitreise durch die Geschichte.
Vor 340 Millionen Jahren nimmt die Reise ihren Anfang. Sie reicht bis hinab in die unergründlichen Jahrmillionen des Karbon, führt durch jüngere Erdzeitalter als der Rheingraben einbricht und die Odenwaldscholle sich neigt - undberührt natürlich auch jene nebeldurchwobenen Zeiten, als die beiden Riesen vom Felsberg einen gewaltigen Streit bekamen und sich mit Steinen bewarfen.

Es folgt: Stille. Jahrtausendelang.

Kamen dann die rätselhaften Kelten? Ob sie im Odenwald waren, ist umstritten. Es gibt Funde, jedoch nicht viele. Aber da der Odenwald sehr reich an Erzen und Mineralien ist, ist es gut vorstellbar.

Mit der Zeit der Römer in Germanien lichten sich die Nebel, ein fröhliches Werkeln beginnt auf dem Felsberg. Steineklopfen, Sägen, Leben mit all seinen Geräuschen beherrscht den steinigen Berg. Die Steinbearbeitung kannte ei den Römern verschiedene Techniken: Hammer und Schlägel, Keilnut und Keiltaschen, Holzkeile und Eisenlamellen, Punzieren, Steinsägen, Rolltransport...

Danach: den Römern wurde irgenwann mulmig in den unübersichtlichen Wäldern, sie zogen ab. Manch einer der alten Römer wird in dieser Zeit einen Schatz vergraben haben, für später. Statuen, Münzen, Kultgegenstände wurden gefunden, die die später folgenden Bewohner ganz bestimmt nicht in ihrer römischen Gestalt bewahrt hätten. Die Germanen besiedelten die Kulturlandschaft der Römer wieder, schmolzen Fundstücke aus Metall ein zu neuen Geräten, schlugen Steinstatuen die Köpfe ab, nutzten die Römerbäder und die Limesbauten als Steinbruch für ihre eigenen Häuser.
Mittelalter: der Wald und der Felsberg lag still, niemand war hier. Die Menschen waren abergläubisch und hatten keine Zeit, um die Wälder zu erforschen. Brombeerranken, Moos, Farn und Brennesseln überwucherten die römischen Werkstücke im Felsberg.

Industriekultur im Felsberg: grandioses Freilichtmuseum - 100 Jahre moderne Steinbearbeitung!

1879: zwei Steinarbeiter aus dem Fichtelgebirge kommen auf ihrer Wanderschaft in den Odenwald und lassen sich hier nieder. Sie sind die Begründer der neuzeitlichen Steinbearbeitung.

1979: der gesamte Felsberg steht unter Natur- und Denkmalschutz. Die letzten Steinarbeiter verpassen dem Riesensessel ein Gesicht, bevor sie ihre Werkzeuge zusammenpacken. Nun hallt der Felsberg und das Felsenmeer nur noch vom fröhlichen Kinderlachen wider, die über die Felsen klettern. Seltsame Wanderer mit schweren Rucksäcken trainieren das Hochgebirgsklettern, andere schleppen riesige Matratzen durch den Felsberg, als Schutz wenn sie beim Boldern abstürzen sollten. Ruhebänke, Schutzhütten, das Kiosk an der Riesensäule, die große Brücke über das Felsenmeer und ein sehr gut gepflegtes Netz aus Wanderwegen und Steigen wird täglich von unzähligen Besuchern genutzt.

Erkunden Sie das Felsenmeer - schmökern Sie in Abenteuer Felsberg oder kommen Sie mal auf einen Besuch vorbei!


Marieta Hiller, März 2017