Ob die Römer tatsächlich mit Lärmfeuern Informationen über große Strecken weitergaben, ist wissenschaftlich nicht belegt. Die Belege für Lärmfeuer im Odenwald stammen aus späterer Zeit.

Lesen Sie hierzu auch "Zweifler: sind die Lärmfeuer römischen Ursprungs?"

Daß die Römer aber diese Methode kannten und anderswo auch einsetzten, ist gesichert. Und so ist es recht wahrscheinlich, daß sie hier im Odenwald - in dieser für römische Gemüter rauhen und unsicheren Gegend mit den tiefen Wäldern, in denen feindliche Barbaren lauern konnten - ganz unbedingt eine Signalkette aufrecht erhielten, mit der sie im Falle von Gefahr schnell die Truppen alarmieren konnten.

Hätte der Heimatforscher Friedrich Höreth nicht in den 40ern des letzten Jahrhunderts persönliche Notizen aus den alten Urkunden des Erbacher Grafenhauses mit nach Hause genommen, so wäre 1944 alles mitsamt dem Wissen um die Lärmfeuer verbrannt.

Seit 2004 wurden die Lärmfeuer im Odenwald wieder zum Leben erweckt und flammen alljährlich am ersten Aprilsamstag auf. Die Veranstaltungsorte finden Sie hier, alljährlich finden an über 30 Orten im Odenwald im Frühjahr die Lärmfeuer statt.

Sind die Lärmfeuer römischen Ursprungs?

Zur Warnung vor dem Feind, der aus dem Westen drohte, haben die Römer während der Zeit der germanischen Provinz (1.-4. Jh. N. Chr.) aller Wahrscheinlichkeit nach eine bemannte Signalkette vom Rhein bis zum Limes unterhalten. Der Limes verläuft im östlichen Odenwald, er zieht sich von der Wetterau über den Main bei Obernburg und über den Höhenzug von Lützelbach im Norden bis Schloßau im Süden und weiter Richtung Bad Wimpfen. Er war jedoch nur von ca. 110 bis 160 n. Chr. besetzt und wurde dann weiter nach Osten verlegt. Mit großen Feuerstapeln auf Anhöhen konnte die Besatzung bei Gefahr Alarm geben, entweder mit einem gut sichtbaren Feuer oder mit Rauch. Das Wort Alarm ist im Begriff Lärmfeuer enthalten, dieser hat nichts mit Geräuschentwicklung zu tun, wenngleich das Wort Lärm sich ebenfalls von Alarm (= französisch all’armes, zu den Waffen) ableitet. Feste Stationen lagen auf den Hügeln in Sichtweite und konnten die Warnung so sehr schnell nach Osten weitergeben, wo die Besatzungen der Limeswachttürme die dort in Kastellen stationierten Soldaten in Bereitschaft setzen konnten. Bis der Feind aus dem Westen die Durchquerung des Odenwaldes bewältigt hatte, erwarteten ihn im Osten die römischen Kohorten bereits in Kampfbereitschaft. Das Ende der römischen Provinz und damit auch des Limes begann ebenfalls mit Feuer: im Jahr 254 n. Chr. überrannten die Germanen aus der anderen Richtung den Limes in der rätischen Provinz, viele dortige Kastellorte gingen in Rauch auf. Im Bereich des Odenwaldes fielen die Germanen sogar schon im Jahr 233 n. Chr. ein. Kaiser Aurelian löste 274 das „Gallische Sonderreich“ auf, womit vermutlich auch die germanische Provinz weitgehend aufgegeben wurde. Eine römische Quelle von 297 n. Chr. spricht das Land zwischen Rhein und Donau zweifelsfrei als Barbarenland an. Dennoch nutzten die Römer dieses Land auch noch zu Anfang des 4. Jahrhunderts, als die römische Residenzstadt Trier mit Granit aus dem Felsberg im Odenwald versorgt wurde.

Ob die Lärmfeuer im Odenwald bereits zu römischer Zeit in Betrieb waren, kann laut Heimatforscher Friedrich Höreth nicht mit letzter Sicherheit festgestellt werden, dokumentiert sind sie jedoch für die Zeit des 30jährigen Krieges in alten Unterlagen. Diese Unterlagen verbrannten leider in der Bombennacht vom 11. September 1944, als Darmstadt und das Hessische Landesarchiv in Flammen aufgingen. Glücklicherweise nahm Höreth, der dort als Archivar tätig war, seine persönlichen Notizen mit nach Hause, und diese enthielten auch eine Skizze der mittelalterlichen Lärmfeuer im Odenwald. Dies zogen sich in zwei Linien von West nach Ost: von Worms über Lorsch, Heppenheim, Spessartkopf, Sensbacher Höhe und Krähberg zum Limes, von Gernsheim über Hohenstein und Schönberg, die Neunkircher Höhe, Morsberg, Otzberg, Hohe Straße und Zellerkopf zum Breuberg, wo das Signal vom Limes aus gesehen werden konnte. Aufgrund der straff durchstrukturierten Organisation der Römer sowohl im militärischen als auch im zivilen Leben kann man jedoch davon ausgehen, dass eine solche Signallinie bereits in den ersten Jahrhunderten n. Chr. unterhalten wurde. Während die Wachttürme des Limes stets in Sichtweite voneinander standen, waren die Warnstationen gen Westen von exponierten Hügeln abhängig und hatten daher größere Abstände, die mit Feuersignalen wesentlich schneller als durch reitende Boten überbrückt werden konnten.

Neues über die alten Römer aus 2012

»Leben im römischen Reich« - Sonderausstellung in den Erbacher Museen bis zum 15. Januar 2012.
Das römische Imperium, so fern Rom auch sein mochte, war stets dort, wo römische Bürger lebten. So auch im Odenwald. Man brachte Kultur, Bräuche und Götter mit, und einiges davon blieb auch nach dem Abzug in diesen wilden Hügeln zurück. Manches wurde erst in der Neuzeit ans Tageslicht befördert. Einer der wichtigsten Männer, was Römerfunde im Odenwald betrifft, ist Graf Franz I zu Erbach-Erbach, der in seinem Schloß eine sehenswerte Sammlung zusammentrug. Wie die Römer hier lebten, fern von Rom, und wie sie dort ihr Alltagsleben gestalteten, beides wurde gezeigt im Deutschen Elfenbeinmuseum in Erbach.

Bei den Märchen- und Sagentagen in Reichelsheim Ende Oktober 2011 stellte Larissa Anton ihren neuesten Film vor: "Limes germanicus" dreht sich um die Relikte aus dem Leben der Römer im Odenwald entlang des Limes von Osterburken bis Miltenberg und auf dem ehemals römischen Gebiet zwischen Dieburg und Michelstadt. Gedreht mit echt Odenwälder Darstellern und angereichert durch einige spannende Sagen zeigt der Film, wie das Leben der Römer hier im Barbarenland einstmals wohl gewesen sein kann. Die DVD ist für 12,90 Euro erhältlich in Reichelsheim: Buchungs- & Informationszentrum

»Cursum nullius cuius quam causa tardamus« steht, hübsch auf ein Holztäfelchen geritzt, am Heck des Römerschiffes Victoria zu lesen, das im Jahr 2008 im Rahmen einer experimental-archäologischen Studentenarbeit in Krefeld vom Stapel lief. Über die Victoria, Nachbau eines römischen Kriegsschiffes, wie sie auf Donau, Rhein, Lippe, Ems, Weser und Nordsee gefahren sind, gibt es eine DVD, die Ausgrabungen dokumentiert und zeigt, wie das Schiff entstand. Erhältlich zu 12,50 Euro hier. Was aber bedeutet der lateinische Spruch? Im Film wird er etwas umständlich mit „wir werden in keinem Falle unseren Kurs ändern“ übersetzt, was aber falsch ist. Wörtlich übersetzt bedeutet der Spruch „we brake for nobody“, Zitat aus der amerikanischen Science-Fiction-Komödie „Spaceballs“ (1987),  die Filme wie Star Wars, Star Trek, Alien und Planet der Affen parodiert. Man erkennt leicht, womit sich Archäologiestudenten in ihrer Freizeit beschäftigen, man erkennt aber auch, daß fundierte Lateinkenntnisse sich an jedem Platz bezahlt machen.

Wie haben die Römer Feuer gemacht?

Es gab ja noch keine Feuerzeuge und keine Brandbeschleuniger zu jener Zeit, in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt.  Harry Haarstark (Infos: harry@hfx.de, Tel. 069-39048100) kann ein "römisches Feuerzeug" vorführen: Feuerstahl, Feuerstein und Zunder. Und wenn der Zunder in der Sonne schön getrocknet ist, kann es mit der "experimentellen Archäologie" losgehen: wer kann sein Feuer wohl so entzünden ?

Verschwisterung macht Warnfeuer überflüssig...

... Heute haben wir in Deutschland unzählige Verschwisterungen zwischen deutschen und französischen Ortschaften. Solche engen Freundschaftsbande sichern den Frieden in Europa, denn es gilt heute wie früher: mit wem wir schon gemeinsam gefeiert, gegessen und getrunken haben, mit dem führen wir keine Kriege. Diese Freundschaftsbande sollen auch in der Idee der Lärmfeuer wiederzufinden sein. Deshalb laden einige Organisatoren ihre jeweiligen Partnergemeinden zum Lärmfeuer ein. So wird der Verschwisterungsgedanke immer weiter ins Land getragen, vielleicht erreichen unsere Lärmfeuer eines Tages sogar das ferne Rom...

Friedrich Höreth - der Entdecker der Lärmfeuer

Friedrich Höreth, einer der bekanntesten Odenwälder Heimatforscher und sozusagen "Altvater" der Lärmfeuer, hat uns unersetzliches Wissen über den Einsatz der Lärmfeuer erhalten: nur durch ihn wissen wir ja urkundlich von den Lärmfeuern im Odenwald, weil er alte Urkunden im Grafenhaus zu Erbach (er war dort zeitweise Archivar) in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts abgeschrieben hat - Urkunden, die  am 11. auf den 12. September 1944 im Staatsarchiv in Darmstadt in der Bombennacht restlos vernichtet worden sind - und weil er auch zuvor schon Veröffentlichungen auf dieser Urkundenbasis gemacht hat.
Von Höreth stammt auch die Karte mit der historischen Signalfeuerkette im Buch "Was uns der Odenwald erzahlt, Band I, Darmstadt 1952, S. 44.
Friedrich Höreth war Lehrer in Mümling-Grumbach und starb 1969 daselbst. Ich kannte ihn gut, auch der ehemalige Landrat Horst Schnur, er war Schüler von Höreth. Friedrich Höreth kam eines Tages zu meinem Vater ins Forsthaus in Mümling-Grumbach (er war dort Revierförster) und fragte  ihn, wie alt eine Kiefer (im Odenwald heißen die Kiefern ja "Danne") werden könne. Ich erinnere mich noch genau daran und war damals schon an der Heimatkunde interessiert. Höreth sagte damals zu meinem Vater gesprächsweise weiter:  man habe einen eisernen Ring an einem solchen Baum entdeckt (inzwischen hat sich herausgestellt, daß der damalige Fragesteller kein anderer als Helmut Mehling aus Miltenberg war!), der darauf hindeute, dass er im Dienst eines Signalbaums gestanden habe. Dr. Peter W. Sattler

Seit wann gibt es die Lärmfeuer?

Die Befeuerung der Odenwaldberge zum Zweck der Signalgebung geht sicherlich in vorgeschichtliche Zeiten zurück. Auch die Römer benutzten dieses optische Kommunikationssystem aus Licht und Rauch vermutlich bereits, um es zwischen den Wachttürmen am Limes und zu den Kastellen im Hinterland einzusetzen. Auch in den Kriegen des 16., 17, 8nd 18. Jahrhunderts wurden die Lärmfeuer auf den Bergen des Odenwaldes wieder gezündet, desgleichen in den Revolutionsjahren anfangs und Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein 502 Metzer hoher Berg bei Ober-Mossau, der den historisch überlieferten geografischen Namen "Lärmfeuer" trägt, erinnert an dieses System von Signalketten, das zur Warnung vor dem vorwiegend aus Westen heranrückenden Feind diente, da diese Feuert, zumal bei Nacht, weithin sichtbar waren. Diese Signalfeuer wurden auf den Bergkuppen angezündet, um Alarm zu geben, daher der Name "Lärmfeuer", um die Bevölkerung zu "alarmieren", eben um "Alarm zu schlagen".

Über die Geschichte dieser Lärmfeuer berichtet z.B. Heimatforscher Dr. Peter W. Sattler (Mossautal) jeweils am Lärmfeuer-Abend im Gasthaus-Hotel "Lärmfeuer" in Reichelsheim-Rohrbach. Er wird auch begründen, weshalb aus den ehemaligen Alarmfeuern jetzt Freudenfeuer geworden sind.

Lärmfeuer - Gefahr in der Luft!

Als im Odenwald die Gipfel rauchten Kommen Sie mit auf eine Zeitreise ins 17. Jahrhundert nach Ober-Mossau. Nach einem langen Arbeitstag auf dem Feld treten Sie den Heimweg von der Mossauer Höhe an. Da erkennen Sie dicke, schwarze Rauchschwaden, die von Westen her über den Mossaubach getragen werden. "Das Lärmfeuer!" schießt es Ihnen wie ein Blitz durch den Kopf. Die Luft ist bereits angefüllt mit dem beißenden Geruch von Brand und Rauch, und aus dem Tal hören Sie die anderen...

Lesen Sie den gesamten Auszug aus HAHL, M. (2006): "Drachenweg Mossautal. Die Entdeckung einer Landschaft."