Der Apfel: eine römische Errungenschaft in Germanien

Die Römer brachten uns die Apfelbäume

„Ab ovo usque ad mala“ - zu deutsch „vom Ei bis zum Apfel“ umschrieb die Lieblings-Speisenfolge der alten Römer. Und dieses Menu hielten sicherlich auch die Römer in Germanien so ab, zumindest die Bessergestellten. Die Römer in Germanien, das ist ein mindestens so spannendes Thema wie die Römer in Gallien. Man denke nur an jenes kleine Dorf...

Daß die Spuren der Römer, ihre Kultur, ihre Bauwerke und ihr Wissen nicht mit langweiligem Lateinunterricht in der Schule abgehandelt sind, das beweist der Odenwald als alter römischer Lebensraum in vielfältiger Weise. Der Limes im Osten, eine 80 km lange Spur aus der Zeit vor über 1900 Jahren, die römische Villa Rustica Haselburg und die mißglückten Werkstücke im Felsenmeer bei Reichenbach laden ein zu interessanten Ausflügen in die Hügel des Odenwaldes. Und wenn das Wetter mal nicht ins Grüne lockt, dann gibt es ringsum zahlreiche Museen, in denen römische Funde dargeboten werden. Was uns ganz besonders freut, ist die Tatsache daß die Römer einst den Apfel in den Odenwald brachten. Wer weiß was wir sonst heute als Stöffche trinken müßten!

Die römische Hochkultur zeichnete sich durch hervorragende Organisation aus, alles war durchstrukturiert und es gab eine klare Hierarchie. Überall wo die römischen Legionen ihren Adler in den Boden rammten, sorgte die Provinzverwaltung dafür, daß neue Speisen und Gerichte ihren Weg zum Bauch der Welt, nach Rom, fanden. Doch auch umgekehrt fanden einige kulinarische Errungenschaften der Römer ihren Weg auf unsere Tische hier im rauhen Barbarenland. Der Apfel gehört dazu. Die Perser hatten bereits im 6. Jh v. Chr. Obstbäume, und über die Griechen kam das Wissen schließlich zu den Römern. Die entwickelten die Veredelung (Okulieren) und erhielten besonders gute Sorten über lange Zeiten sortenrein. Die Römer gaben den verschiedenen Obstsorten auch ihre Namen. Ab 800 v. Chr. verehrten sie die Göttin Pomona als Herrin des Gartens, des Obstes und des Obstbaus. Um 100 n. Chr. brachten die Römer schließlich ihre Kenntnisse und auch verschiedene Obstsorten nach Gallien und Germanien. Was die Römer am liebsten aßen, läßt sich heute nachvollziehen aus alten Quellen des Apicius, des Lucullus und anderer, wobei die Quellenlage teilweise sehr schwierig ist, denn die alten Rezeptbücher mußten schließlich viele Jahrhunderte überdauern (was sie oftmals leider nur in Form von Zitaten in späteren Werken schafften).

Sichtbare Spuren der Römer

Unsere Landschaft läßt überall noch die Anwesenheit der Römer erahnen: da ist zunächst der Limes, eine Grenze, die sich von Obernburg am Main bis nach Bad Wimpfen am Neckar zieht. Entlang dieses Bodendenkmals, das an vielen Stellen nicht mehr sichtbar ist, wurden in den letzten Jahren viele Informationstafeln aufgestellt, einzelne Bauwerke - das Römerbad in Würzberg, Kastelle in Schloßau oder Lützelbach etwa - wurden teilweise restauriert und damit der Öffentlichkeit sichtbar gemacht, und in der Nähe von Vielbrunn wurde 2010 ein hölzerner Wachturm nach Originalvorlage (siehe Foto Titelseite) errichtet. Der Turm ist ganz aus Holz, auch die Verbindungen kommen ohne Metall aus. Lediglich die Eingangstür, aus touristischen Gründen im Erdgeschoß, ist mit Hilfe von Metall gesichert. Die Römer hatten den Eingang ihrer Wachtürme aus Sicherheitsgründen im ersten Stock und konnten nur mithilfe einer Leiter hinein und hinaus. Das Erdgeschoß war meist aus massivem Stein und innen mit Steinen und Erdreich ausgefüllt. Trotzdem fielen etliche der über 80 Wachtürme - errichtet in Abständen von etwa 800-1000 Metern mit Sichtverbindung - dem Feuer zum Opfer. Da es keine alten unzerstörten Wachtürme aus der Römerzeit mehr gab, mußte man die Höhe der Bauwerke übrigens experimentell ermitteln und kam auf eine Höhe von 7,6 Metern. Das Dach hatte konstruktionsbedingt einen sehr knappen Überstand, so daß die Wachtposten auf ihrer Balustrade rings um den Turm nicht vor Regen geschützt waren. Ob sie dann, wenn sie sich im Dienst erkältet hatten, ein warmes Bad im Caldarium nehmen durften? Römische Bäder, bestehend aus Umklei-deraum (apodyterium), Warmbad (caldarium) mit Warmwasserwanne, einem lauwarmen Bad (tepidarium) und einem Kaltbad (frigidarium), gab es im römisch besiedelten Bereich relativ oft. Man hatte sogar eine Toilette mit Wasserspülung sowie in den Räumen Fußbodenheizung!

Daß den Römern ihre Sicherheit im Barbarenland sehr wichtig war, zeigen die Straßenanlagen. Sie bevorzugten freies übersichtliches Gelände, die hügeligen Waldlandschaften des Odenwaldes waren ihnen unheimlich. In der Rheinebene dagegen liebten sie es, auf einer 40 Meter breiten schnurgeraden Straße von der Gegend um Trebur nach Ladenburg (Lopodunum) und weiter nach Heidelberg (Palatina, entspricht Pfalz!) und zu den süddeutschen Römerzentren  zu ziehen.

Einen großen Fehler machte der Legionsführer Varus und mit ihm alle römischen Feldherren solange, bis jener Tag im Jahr 9 nach Christus kam: stets rekrutierten sie Einheimische als Hilfstruppen (auxiliarii), doch nach der verhängnisvollen Schlacht im Teutoburger Wald wurden diese niemals mehr in der Nähe ihrer Heimat eingesetzt. Wer die berühmte Schlacht gerne ansehen möchte, der kann dies an etwa 15000 Mini-Römern tun. Bekannt aus der Sendung mit der Maus, die vor einigen Jahren die Schlacht am Teutoburger Wald mittels  marschierender Playmobilfiguren nachstellte, warten diese geduldigen Kunststoffsoldaten jetzt im Römermuseum in Haltern, ganz in der Nähe des Ortes der römischen Niederlage.

Infos: www.lwl-roemermuseum-haltern.de

und Archäologischer Park Xanten: www.apx.lvr.de