Wie sollte die Riesensäule aus dem Felsenmeer nach Trier kommen?

Über die Römer im Felsenmeer ist eine neue Broschüre erschienen. Doch auch diese lüftet nicht das Geheimnis, wie die Riesensäule mit ihren immerhin 27 Tonnen Gewicht von den Römern zur Schiffslände Zullestein bei Biblis, damals noch direkt an der Weschnitzmündung in den Rhein gelegen, hätte kommen sollen. Zwei Theorien werden meist genannt, welche sich einmal als Tatsache erweisen wird, ist noch unbekannt.

Dazu wird aktuell eifrig geforscht: die Wissenschaftler Vilma Rupienne, Ulrich Schüssler und Michael Unterwurzacher haben ihre Ergebnisse als Aufsatz "Auerbach Marble Quarries in the Odenwald near Hochstädten" veröffentlicht. Ebendort finden sich auch die jüngsten Erkenntnisse zu den Transportwegen: "Alle Wege führen zum Rhein" von Alexander Vögler.

Jahrbuch des Institute Europa Subterannea 2013 (ISBN 978-90-817853-3-4)

Es bleibt also spannend. Eine Abbildung der stehenden Riesensäule, ein merkwürdiges Innungszeichen auf dem Riesenschiff, ferrarii und serrarii und einiges mehr ist in der Broschüre zu lesen.

Die Römer haben übrigens nicht nur im Felsberg Steine bearbeitet, sondern auch im gesamten Odenwald Erze aus dem Boden gewonnen. Dafür bestand großer Bedarf: eine Legion mit 5500 Soldaten benötigt ca. 38 Tonnen Eisen für ihre Ausrüstung.

Über „einige merkwürdige Säulen aus Kornstein“ schreibt Dr. Klaus Kremb in Heft 3/2015 Der Odenwald. Als Kornstein bezeichnet man Granit, aus dem auch das Felsenmeer besteht (genauer gesagt ist es Melaquarzdiorit, eine Art Granit, die den Römern jedoch große Schwierigkeiten bereitet hat. In dieser Abhandlung stellt Dr. Kremb die Forschungen des Johann Casimir Freiherr v. Häffelin (1737-1827) vor, der neben anderen zu seiner Zeit mit der Erforschung der sonderbaren antiken Spuren begann. Vorher war für Jahrhunderte in Vergessenheit geraten, daß die Römer einst im Odenwald waren. Häffelin ging es weniger um die geologischen Aspekte, die noch von der wissenschaftlichen Kontroverse zwischen Neptunisten und Plutonisten bestimmt war. Er interessierte sich für den kulturhistorischen Wert der Riesensäule, die seinerzeit noch ganz war.

Aus diesem Streit entwickelte sich die moderne Geologie. Nach den Verfechtern des Plutonismus entstanden Gesteine ursprünglich durch vulkanische Kräfte, nach den Neptunisten dagegen durch Sedimentablagerung aus Wasser. Dieser Ansicht hing sogar Johann Wolfgang von Goethe an, trotzdem setzte sich später der Plutonismus durch.

Nach den Römern kamen erst 1879 wieder Steinhauer in den Felsberg. Auch ihre Spuren sind überall zu finden. Viele römische Werkstücke jedoch wurden im Laufe der Zeit für andere Zwecke genutzt: so diente ein Säulenfuß als Pranger (heute auf dem Marktplatz in Reichenbach), der Regenbogenstein ziert die Wiese vor dem Felsenmeer-Informationszentrum, direkt neben dem Modell einer römischen Steinsäge wie sie z.B. für den Altarstein zum Einsatz kam. Unzählige andere Steine findet man heute in den Fundamenten der Arbeiterhäuschen rund um den Felsberg.

Viele Fotos und Informationen zu Felsberg und Felsenmeer hatte ich 2002 im längst vergriffenen Buch „Abenteuer Felsberg“ zusammengetragen, einiges davon fand nun Platz in der kleinen Broschüre „Die Römer im Felsenmeer", 2018 erscheint eine weitere Broschüre zu diesem Thema. (M. Hiller)

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