Kürzlich war ich mit der Odenwälder Filmemacherin Larissa Anton im Felsenmeer unterwegs, sie suchte die Teufelskanzel als Schauplatz für ihren nächsten Film. Gibt es zur Teufelskanzel eine Sage oder eine Geschichte zu berichten?

Wer eine kennt, kann sie gerne weitergeben! kieselbart@dblt.de

Die Teufelskanzel ist eine der weniger bekannten Felsformationen im Felsberg, es gibt noch weitere, die heute nahezu unbekannt sind wie z.B. die Riesenküche. Eingetragen ist sie in der topographischen Karte der Lithographenanstalt Welzbacher Darmstadt (zwischen 1823-1840, s.u.). Die Riesenküche liegt im Steinbruch am ehemaligen Weg Nr. 9+10, der heute nicht mehr markiert ist.

Marieta Hiller, Januar 2018

Die Felsenmeerkarte von Göldner und Weyhrauch
Felsenmeer Teufelskanzel
Teufelskanzel im Felsenmeer, Blick von oben auf die Kanzel
Karte aus der Lithoanstalt Welzmann
Felsenmeer Teufelskanzel
Blick von unten auf die Teufelskanzel im Felsenmeer

Wie die Teufelskanzel entstand - eine moderne Sage

Vor vielen Jahren, als das Wünschen noch half, zog ein Wanderprediger durchs Land, verweilte an jedem Ort, so lange es ihm gefiel und verkündete die Worte der Heiligen Schrift. In seinem Inneren war der Prediger kein gottesfürchtiger Mann; doch ging es ihm nicht schlecht, denn er war ein guter Redner und verstand es, die Menschen in seinen Bann zu ziehen.

Eines Tages im Mai führte ihn sein Weg ins Lautertal, wo in einem der Dörfchen auch drei Geschwister lebten, deren Eltern bei einem schrecklichen Unfall mit dem Fuhrwerk des Steinmetzes ums Leben gekommen waren. Margarethe, die Älteste der drei, hatte das Unglück miterlebt und dabei den linken kleinen Fußzeh verloren. Sonst war sie makellos, hochgewachsen und bildhübsch, und sie sorgte liebevoll für ihre Geschwister, den dreizehnjährigen Robert und Henriette, gerade mal acht Jahre alt.

Die freundliche Landschaft dieser Gegend und die lichten Wälder brachten den Prediger auf den Gedanken, hier zu bleiben und an Pfingsten einen Gottesdienst unter freiem Himmel abzuhalten, bei dessen Vorbereitung er die drei Geschwister kennenlernte. Als Kanzel sollte ihm ein großer spitzer Felsen im Felsenmeer dienen.

Und - er entbrannte sogleich in heftiger Begierde zu dem schmucken Knaben. Sein Sehnen wurde schnell übermächtig, indes - er wußte keinen Rat, wie er sich Robert nähern sollte. Denn nicht nur Margarethes Aufmerksamkeit wäre das nicht entgangen, nein, nichts was in den Dörfern des Odenwaldes geschah, blieb lange vor deren sämtlichen Bewohnern verborgen.

In seinem Ringen und seiner Not entfuhr ihm nun der Ausruf: "Ach, zum Teufel, wüßte ich nur, was zu tun sei!" Dieser vernahm das sehr wohl, sah sofort seine Gelegenheit und erschien dem Prediger noch in der gleichen Nacht.

Sieeinigten sich auf folgendes Geschäft: Satan sollte an Pfingsten in der Figur des Predigers den Gottesdienst halten und Margarethe dafür um etliche Handreichungen bitten, der Prediger sollte die Gestalt Margarethes annehmen und zu Robert gehen. Danach sei seine Seele des Teufels.

So geschah es denn auch, der Teufel brachte also der Gemeinde das Wort Gottes und der Prediger saß dicht neben Robert etwas abseits, als der kleinen Henriette einfiel, daß ihr Bruder ja die Wegzehrung für sie beide einstecken hatte.

Sie machte sich also auf die Suche und fand, so sah es aus, ihre zwei Geschwister am Rande der Gesellschaft. Aber das Kind bemerkte etwas, das den beiden Missetätern entgangen war: es sah die vermeintliche Margarethe an und rief mit heller Stimme: "Du kannst nicht meine Schwester sein, an jedem Fuß hast du fünf Zehen!"

Mit einem Schlage löste sich die Verwandlung, der Prediger war wieder er selbst und für einen kurzen Moment sah sich die Gemeinde gleich zwei Predigern gegenüber.

Dann gab es eine Wolke aus Qualm und Rauch, der Teufel verschwand mit viel Getöse und hinterließ die in Stücke geborstene Kanzel. Der Prediger aber lief, so weit ihn seine Füße trugen, und kein Mensch hat ihn je wieder gesehen.

Martina Stefanski, Beedenkirchen